CSU muss umdenken – Ausstieg aus Glyphosatanwendung überfällig

Feld
Foto: Viktor Hanacek, picjumbo.com, Symbolbild

EUROPA. Die Abstimmung der EU-Mitgliedsstaaten über ein Verbot von Glyphosat bleibt spannend. Der EU-Umweltaussschuss hatte sich gegen eine verlängerte Zulassung ausgesprochen. Am Mittwoch stimmen EU-Parlament und EU-Mitgliedsstaaten über die Zukunft des Pflanzenvernichtungsmittels ab. Der BUND Naturschutz fordert ein Verbot von Glyphosat und die sofortige Entwicklung von Ausstiegsszenarien aus der Herbizidanwendung in der Landwirtschaft.

Am kommenden Mittwoch stimmen sowohl das EU-Parlament als auch die EU-Mitgliedsstaaten darüber ab, ob die Zulassung des Pflanzengiftes Glyphosat wie vorgesehen Mitte Dezember endet oder nochmals verlängert wird. "Glyphosat steht unter dem Verdacht, krebserregend zu sein, außerdem gefährdet es die Umwelt und reduziert die Artenvielfalt", so Richard Mergner, BN Landesbeauftragter, und weiter: "Es ist offensichtlich geworden, dass die Bewertung der Gefahren von Glyphosat durch die europäischen Zulassungsbehörde für Lebensmittelsicherheit, der EFSA, sehr von den Ausführungen der Anmelder bestimmt wurde und Risiken wegdefiniert wurden. Ein solches Vorgehen darf nicht die Grundlage für die Neubewertung dieses breit eingesetzten Ackergiftes sein."

ANZEIGE

GLYPHOSATANWENDUNG STOPPEN

Glyphosat tötet als Totalherbizid alle Pflanzen. Es zerstört damit Lebensräume von Insekten und Vögeln und trägt so zum Artensterben bei. In Deutschland werden ca. 5000 - 6000 Tonnen an Glyphosatwirkstoff eingesetzt. Auf ca. 40 % aller Ackerflächen in Deutschland wird es eingesetzt. Auch Grünland wird damit teilweise abgespritzt und auch die Ausbringung bei Getreide kurz vor der Ernte, die sog. Sikkation, ist nicht völlig verboten.

Nach Angaben des Julius Kühne Instituts (JKI-Studie 451: Folgenabschätzung für die Landwirtschaft zum teilweisen oder vollständigen Verzicht auf die Anwendung von glyphosathaltigen Herbiziden in Deutschland. Nov. 2015.) wird der Großteil der Mengen in der Landwirtschaft eingesetzt. Daneben werden hierzulande in Haus- und Kleingärten ca. 90 Tonnen, bei der Bahn ca. 70 Tonnen, im Apfelanbau zwischen 70 und 90 Tonnen und im Weinbau zwischen 70 und 90 Tonnen Glyphosat ausgebracht.

33 Herbizide mit Wirkstoff Glyphosat sind zugelassen, vermarktet wird es unter 95 Handelsbezeichnungen. Davon sind 16 (52 Handelsbezeichnungen) für Haus- und Kleingärten zugelassen.

Die Menschen in Deutschland sind einer Dauerbelastung mit diesem Stoff ausgesetzt. Das belegen beispielhaft zwei Studien zu Glyphosat im Urin. So hatten 70 Prozent der im Jahr 2013 vom BUND in Deutschland getesteten, sowie 44 Prozent der europaweit getesteten Personen Glyphosat im Urin. Einer im Januar 2016 vom UBA veröffentlichten Studie über den Zeitraum von 2001 bis 2015 zufolge waren es sogar bis zu 60 Prozent der ProbandInnen.

ANZEIGE
ANZEIGE